Redoxreaktionen-Einstieg

Lernblock · Chemie · Jahrgang 13 · 5 Doppelstunden

Lernmaterialien

Fünf Doppelstunden zum Einstieg in die Elektrochemie: Wiederholung von chemischem Gleichgewicht und Säure-Base-Chemie, danach Aufbau der Redoxreaktion als Elektronenübertragung mit Experiment, Oxidationszahlen und Vergleich zur Säure-Base-Reaktion. Die Seite lässt sich direkt am Bildschirm ausfüllen und am Ende als PDF exportieren.

DS 1 (Di, 18.08.) – Chemisches Gleichgewicht (Diagnose und Korrektur)

Diagnose-Einstieg – Was denkst du?

Bewerte die folgenden 4 Aussagen spontan mit ✓ (stimme zu), ✗ (stimme nicht zu) oder ? (unsicher) – bevor du mit den Stationen beginnst. Es gibt hier noch keine Auflösung, das machen wir am Ende gemeinsam.

Aussage✓ / ✗ / ?
A. Im chemischen Gleichgewicht liegen Edukte und Produkte immer zu gleichen Mengen vor.
B. Im chemischen Gleichgewicht laufen Hin- und Rückreaktion ständig weiter, nur gleich schnell.
C. Wenn man die Konzentration eines Stoffes ändert, ändert sich dadurch die Gleichgewichtskonstante K.
D. Im chemischen Gleichgewicht kommt die Reaktion praktisch zum Stillstand.

Bearbeite die Stationen 1–4 der Reihe nach in deinem eigenen Tempo. Kontrolliere nach jeder Station mit dem Lösungsblatt. Wenn du nicht weiterkommst, hole dir Hilfe bei der Lehrkraft oder einem Tempo-Partner.

Station 1 – Grundlagen: Das chemische Gleichgewicht

Viele chemische Reaktionen laufen nicht vollständig ab, sondern erreichen einen Zustand, bei dem Hin- und Rückreaktion gleich schnell ablaufen – das chemische Gleichgewicht. Auf Teilchenebene reagieren ständig weiter Teilchen, auf Stoffebene ändern sich die Konzentrationen aber nicht mehr (dynamisches Gleichgewicht).

Für eine allgemeine Reaktion aA + bB ⇌ cC + dD gilt das Massenwirkungsgesetz (MWG): K = ([C]ᶜ·[D]ᵈ) / ([A]ᵃ·[B]ᵇ). K heißt Gleichgewichtskonstante.

Achtung, verbreiteter Irrtum: „Gleichgewicht" bedeutet im Alltag oft „gleiche Mengen" (wie bei einer Waage). Im chemischen Gleichgewicht können die Mengen von Edukten und Produkten aber sehr unterschiedlich sein – entscheidend ist nur, dass sich Hin- und Rückreaktion die Waage halten (gleiche Geschwindigkeit), nicht dass gleiche Mengen vorliegen.

Aufgabe: Formuliere in eigenen Worten, was es bedeutet, wenn K sehr groß bzw. sehr klein ist. Beziehe dich dabei auf den Irrtum oben: Warum sagt K nichts über „gleiche Mengen" aus?

Kontrollfrage zum Freischalten: Wenn K sehr groß ist: Auf welcher Seite liegt das Gleichgewicht dann? (ein Wort)

Station 2 – Prinzip von Le Chatelier

Wird ein System im chemischen Gleichgewicht von außen gestört (Zwang), reagiert es so, dass es dem Zwang entgegenwirkt – das Gleichgewicht verschiebt sich, bis ein neues Gleichgewicht erreicht ist.

  • Konzentration: Erhöht man die Konzentration eines Stoffes, verschiebt sich das Gleichgewicht auf die gegenüberliegende Seite.
  • Druck (bei Gasreaktionen): Druckerhöhung begünstigt die Seite mit weniger Gasteilchen.
  • Temperatur: Temperaturerhöhung begünstigt die endotherme Richtung, Temperatursenkung die exotherme Richtung.
Achtung, verbreiteter Irrtum: Konzentrations- oder Druckänderungen verändern nicht die Gleichgewichtskonstante K – K bleibt bei gleicher Temperatur konstant! Was sich ändert, ist nur die Lage des Gleichgewichts (das Mengenverhältnis, mit dem sich das System neu einpendelt). Nur eine Temperaturänderung verändert K selbst.

Aufgabe: Nenne ein Alltagsbeispiel, bei dem du eine Gleichgewichtsreaktion beeinflussen könntest (z. B. beim Kochen, Backen oder Lagern von Lebensmitteln). Erkläre dabei, ob sich K oder nur die Gleichgewichtslage ändert.

Station 3 – Anwendung: Der Claus-Prozess

Material: Der Claus-Prozess dient der Schwefelherstellung aus Schwefelwasserstoff (H₂S), der bei der Erdgas-/Erdölentschwefelung anfällt. In der ersten (exothermen) Reaktion wird ein Teil des H₂S bei ca. 1000 °C mit Sauerstoff zu Wasser und Schwefeldioxid umgesetzt. Das entstandene SO₂ reagiert im zweiten Reaktor bei ca. 300 °C an einem Katalysator mit weiterem H₂S zu elementarem, flüssigem Schwefel und Wasser. Der gebildete Schwefel wird laufend aus dem Reaktor entfernt.

Aufgabe: Stelle die Reaktionsgleichungen für beide Reaktionsschritte auf. Begründe mit dem Prinzip von Le Chatelier, warum der Schwefel laufend entfernt wird und wie sich eine Druckerhöhung auf die erste Reaktion auswirkt.

Kontrollfrage zum Freischalten: Wie viele Gasteilchen (Summe der Koeffizienten) stehen in deiner Gleichung für Reaktion 1 auf der Produktseite?

Station 4 – Anwendung: Hochofenprozess und Boudouard-Gleichgewicht (Erweiterung)

Material: Im Hochofen wird Eisenerz mit Koks (Kohlenstoff) zu Roheisen reduziert. Kohlenstoff reagiert zunächst exotherm mit Luftsauerstoff zu Kohlenstoffdioxid (Reaktion 1). Das entstandene CO₂ reagiert sofort endotherm mit weiterem Kohlenstoff zu Kohlenstoffmonoxid weiter (Reaktion 2, das sogenannte Boudouard-Gleichgewicht, ΔrH° = 172 kJ/mol). In der Reduktionszone wird Eisen(II)-oxid mit Kohlenstoffmonoxid zu Eisen und Kohlenstoffdioxid umgesetzt (Reaktion 3).

Aufgaben:

  1. Stelle die Reaktionsgleichungen 1–3 auf.
  2. Bestätige anhand der Oxidationszahlen, dass Reaktion 3 eine Redoxreaktion ist.
  3. Erkläre nach Le Chatelier, wie sich eine Temperatursenkung unter 900 °C auf das Boudouard-Gleichgewicht auswirkt und warum das für den Hochofenbetrieb problematisch ist.

Kontrollfrage zum Freischalten: Ist Reaktion 3 (FeO + CO → Fe + CO₂) laut deiner Oxidationszahlen-Prüfung eine Redoxreaktion? (ja/nein)

Auflösung Diagnose-Einstieg

Vergleiche jetzt deine Einschätzung von Anfang der Stunde mit der Auflösung. Wo lagst du richtig, wo hattest du eine andere Vorstellung?

Kontrollfrage zum Freischalten: Wie nennt man den Gleichgewichtszustand, bei dem Hin- und Rückreaktion ständig mit gleicher Geschwindigkeit ablaufen? (ein Wort, s. Station 1)

🟢 Kann ich sicher 🟡 Kann ich mit Hilfe 🔴 Muss ich noch üben
Ich kann …🟢/🟡/🔴
… erklären, was ein chemisches Gleichgewicht ist.
… das Prinzip von Le Chatelier erklären und anwenden.
… den Einfluss von Konzentration, Druck und Temperatur auf ein Gleichgewicht vorhersagen.
… erklären, warum Konzentrations-/Druckänderungen K nicht verändern.

DS 2 (Do, 20.08.) – Reaktivierung Säure-Base-Chemie

AB 1a – Mindmap Säure-Base-Grundlagen

Erstellt in eurer Gruppe eine Mindmap zu folgenden Begriffen. Ordnet sie sinnvoll zueinander an und ergänzt kurze Erklärungen (Stichpunkte reichen):

Protolyse · Donator · Akzeptor · Oxonium-Ion (H₃O⁺) · korrespondierendes Säure-Base-Paar

Leitfrage: Was passiert bei einer Protolyse – wer gibt was an wen ab?

AB 1b – pH/pOH, starke/schwache Säuren-Basen, Neutralisation (Kurzwiederholung)
  1. Nenne den Zusammenhang zwischen pH-Wert und pOH-Wert bei 25 °C.
  2. Erkläre in einem Satz den Unterschied zwischen einer starken und einer schwachen Säure.
  3. Formuliere die allgemeine Reaktionsgleichung für eine Neutralisationsreaktion.

Kontrollfrage zum Freischalten: Wie groß ist die Summe aus pH-Wert und pOH-Wert bei 25 °C?

AB 1c – Berechnungsbeispiele (Erweiterung)
Berechne den pH-Wert einer starken Säure: c(HCl) = 0,1 mol/L.
Berechne den pH-Wert einer schwachen Säure über den pKS-Wert: c(Essigsäure) = 0,1 mol/L, pKS = 4,75. Formel: pH = ½·(pKS − log c)

Titrationsaufgabe: 100 mL einer Säure unbekannter Konzentration werden mit 1-molarer NaOH-Lösung titriert. Nach Zugabe von 12,5 mL NaOH-Lösung schlägt der Indikator um (Äquivalenzpunkt erreicht). Berechne die Konzentration der Säure.

Kontrollfrage zum Freischalten: Wie groß ist der pH-Wert der starken Säure aus Aufgabe 1 (c = 0,1 mol/L)?

DS 3 (Di, 25.08.) – Redoxreaktionen als Elektronenübertragung

AB 2a – Experimentprotokoll: Eisennagel in Kupfersulfat-Lösung
Sicherheitshinweise: Schutzbrille tragen. Kupfersulfat-Lösung nicht auf die Haut/in die Augen bekommen, bei Kontakt sofort mit Wasser spülen. Nach dem Versuch Hände waschen. Reste in den bereitgestellten Sammelbehälter geben – nicht in den Ausguss.

Material: Eisennagel (blank), Kupfersulfat-Lösung (0,5 mol/L), Reagenzglas, Reagenzglasständer

  1. Notiere deine Beobachtung vor Beginn (Aussehen von Nagel und Lösung).
  2. Tauche den Eisennagel für ca. 5 Minuten in die Kupfersulfat-Lösung. Notiere Veränderungen.
  3. Formuliere eine Vermutung: Welcher Stoff wird gebildet? Woher stammt er?
AB 2b – Auswertung: Teil- und Gesamtgleichung

Vervollständigt gemeinsam die Reaktionsgleichungen (Lücken ausfüllen):

Oxidation (Elektronenabgabe): Fe → Fe²⁺ + e⁻

Reduktion (Elektronenaufnahme): Cu²⁺ + 2 e⁻ →

Gesamtgleichung: Fe + Cu²⁺ → +

Kontrollfrage zum Freischalten: Wie viele Elektronen gibt ein Fe-Atom bei der Oxidation ab? (Zahl)

AB 2c – Hausaufgabe: Elektronengasmodell (Wiederholung Sek I)
  1. Beschreibe in eigenen Worten das Elektronengasmodell der Metallbindung.
  2. Erkläre, warum Metalle Strom leiten können.
  3. Überlege: Welche Elektronen sind beim Eisennagel-Versuch „frei beweglich" – und wie hängt das mit der Elektronenabgabe zusammen?

DS 4 (Di, 01.09.) – Oxidationszahlen, Redoxgleichungen, Vergleich zu Säure-Base

AB 3a – Regeln der Oxidationszahlen

Die vollständigen Regeln (inkl. Vorgehen bei organischen Molekülen und Lewis-Formel-Methode) stehen im ausgeteilten Original-Arbeitsblatt „AB2_Oxidationszahlen.pdf". Bearbeite dort Aufgabe 2a+b, danach geht es hier mit AB3b weiter.

AB 3b – Redoxgleichungen aufstellen und prüfen

Prüft mithilfe der Oxidationszahlen, ob es sich um eine Redoxreaktion handelt, und stellt bei „Ja" Teil- und Gesamtgleichung auf.

Basis: Zn + AgNO₃ → Zn(NO₃)₂ + Ag
Erweiterung: Fe + CuSO₄ → FeSO₄ + Cu sowie NaOH + HCl → NaCl + H₂O (Vergleichsfall – ist das eine Redoxreaktion? Begründet über Oxidationszahlen.)

Kontrollfrage zum Freischalten: Ist NaOH + HCl → NaCl + H₂O eine Redoxreaktion? (ja/nein)

AB 3c – Vergleich: Säure-Base-Reaktion vs. Redoxreaktion

Füllt die Tabelle in Partnerarbeit aus. Auflösung direkt darunter zur Selbstkontrolle.

Säure-Base-Reaktion (Protolyse)Redoxreaktion
Art der übertragenen Teilchen
Korrespondierende Paare
Donator (Teilreaktion)
Akzeptor (Teilreaktion)
Donator-Akzeptor-Reaktion (Gesamt)

Kontrollfrage zum Freischalten: Welche Teilchenart wird bei einer Redoxreaktion übertragen? (ein Wort)

Zusatzaufgabe (KI-Prompting-Übung, freiwillig/für schnelle Gruppen): Lass dir von einem KI-Modell (z. B. Claude) eine selbst gewählte Redoxreaktion mit Oxidationszahlen erklären. Prüfe die Antwort anschließend selbst anhand der Regeln von AB2_Oxidationszahlen.pdf – findest du einen Fehler oder eine ungenaue Stelle? Notiere, wie du geprüft hast.

Selbsteinschätzung (Ampel)

Schätze für jede Aussage aus dem Kompetenzraster ehrlich ein, wo du stehst:

🟢 Kann ich sicher 🟡 Kann ich mit Hilfe 🔴 Muss ich noch üben
Ich kann …🟢/🟡/🔴
… erklären, was eine Redoxreaktion ist und sie von einer Säure-Base-Reaktion unterscheiden.
… anhand meines Experiments beschreiben, wer Elektronen abgibt/aufnimmt.
… Oxidationszahlen nach Regeln bestimmen.
… Teil- und Gesamtgleichungen für Redoxreaktionen aufstellen.
… kurz erklären, warum Metalle Strom leiten.

Bei mehreren 🔴: Sprich mit deiner Lehrkraft oder nutze die Übungsaufgaben nochmal vor der nächsten Stunde (Redoxreihe der Metalle).

DS 5 (Do, 03.09.) – Die Redoxreihe der Metalle

Für diese Stunde erhältst du separate Arbeitsblätter von deiner Lehrkraft: AB „Die Redoxreihe der Metalle" (Experiment + Aufgaben 1–3) und als Hausaufgabe AB „Übungsaufgaben zur Redoxreihe der Metalle" (Aufgaben 1–4). Bringe dein Heft für das Einstiegsexperiment-Protokoll mit.

Öffnet den Druckdialog deines Browsers – wähle dort als Ziel „Als PDF speichern“. Das funktioniert offline, ohne Internetverbindung und in jedem Browser. Für ein PDF nur einer einzelnen Doppelstunde nutze den Button „📄 Nur DS … als PDF“ oben in der jeweiligen Doppelstunde.

← Zurück zum Thema